VWT Jahresumfrage 2026 "Leistung in der Thüringer Wirtschaft" am 6. Februar veröffentlicht
Im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 6. Februar stellte der VWT die aktuelle Jahresumfrage 2026 der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zum Thema Leistung, Leistungsbereitschaft und Motivation in der Thüringer Wirtschaft vor. Zudem betrachtet die Jahresumfrage die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie die wirtschaftlichen Erwartungen der Mitgliedsunternehmen. Durchgeführt wurde die Umfrage von der IWT - Institut der Wirtschaft Thüringens GmbH.
Jahrespressekonferenz der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände am 06.02.2026 in Erfurt
Leistung zählt, große Zustimmung zum Leistungsprinzip, aber wachsende Zweifel an Anerkennung, Motivation und Rahmenbedingungen
Die Jahresumfrage verdeutlicht: Leistung wird heute deutlich breiter verstanden als reine Kennzahlen. Unternehmen betrachten Leistung aus drei Perspektiven – die individuelle und teambezogene Leistung der Beschäftigten, die Leistung des Unternehmens für Kunden und Mitarbeitende sowie den Beitrag zur Gesellschaft, etwa durch regionale Wertschöpfung und Verantwortung. Zur Leistung befragt, denken fast alle antwortenden Unternehmen stark oder sehr stark an Qualität, Kundenzufriedenheit und Engagement/Einsatzbereitschaft.
Alles in allem wird die Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden im Betrieb von rd. 55 Prozent als gleichbleibend bewertet, von 41 Prozent als abnehmend. Lediglich knapp über 2 Prozent berichtet von einer Zunahme. Auf die Fragen, wofür es sich für ihre Mitarbeitenden lohnt, Leistung zu erbringen, nennen die meisten das Einkommen, gefolgt von netto vom Brutto.
Lob und Anerkennung sowie regelmäßige Feedback- und Mitarbeitergespräche stehen zur Unterstützung der Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden vornan, gefolgt von entgeltähnlichen Instrumenten und Leistungen wie Investition in die technische und organisatorische Ausstattung, Weiterbildung und Entwicklung der Arbeitnehmer und Flexibilisierung der Arbeit. Dementsprechend werden die Instrumente auch eingesetzt.
Insgesamt bescheinigt die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitenden eine gleichbleibende Motivation, ein Drittel sieht weniger Motivation als in der Vergangenheit. Zugenommen hat nach Einschätzung einer großen Mehrheit das Anspruchsdenken der Beschäftigten. Auffallend häufig werden als 'weniger geworden' beurteilt der Erfindergeist und Innovationen, das gesellschaftliche Verantwortung sehen, Anstrengung und Arbeitseinsatz sowie das Empfinden, dass Leistung zur Altersvorsorge lohnt. Jenseits dieser Veränderungen kommt, den geäußerten Einschätzungen nach, der intrinsischen Motivation der Mitarbeitenden unverändert Bedeutung zu.
Als Motivationsfaktoren haben Lob und Anerkennung einen besonders hohen Stellenwert, denen von der Hälfte der Antwortenden eine gleichbleibende, von der anderen eine zunehmende Bedeutung beigemessen wird. Den Stellenwert von Lohn/Gehalt schätzen mehr noch als die Hälfte als gleichbleibend bedeutenden Motivationsfaktor ein, gut ein Drittel als zunehmend. Fast gleichauf stehen Arbeitsumfeld und -bedingungen.
Auch der gesellschaftliche Beitrag der Unternehmen ist den Befragten bewusst: Besonders hervorgehoben werden die Stärkung der Region und des Standorts sowie die Kundenzufriedenheit.
Die ausführliche Pressemitteilung des VWT inklusive Einschätzungen und Forderungen zum Thema Leistung in der Thüringer Wirtschaft durch den VWT-Präsidenten Hartmut Koch finden Sie hier.
Thüringer Wirtschaft stagniert seit drei Jahren, Bürokratie und Fachkräftemangel als zentrale Risiken und verhaltener Ausblick
Die Ergebnisse der Jahresumfrage zur wirtschaftlichen Lage senden ein deutliches Warnsignal: Die Wirtschaft des Freistaates stagniert seit mehr als drei Jahren. Seit 2023 kommt es kaum zu Wachstum, Investitionen werden verschoben, die Unsicherheit in den Unternehmen nimmt zu. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmen berichten für das zweite Halbjahr 2025 von einer gleichbleibenden Entwicklung bei Aufträgen, Erträgen und Beschäftigung. Knapp 40 Prozent verzeichnen rückläufige Tendenzen, lediglich rund 10 Prozent melden Wachstum.
Als größte Herausforderungen für die Thüringer Unternehmen werden am häufigsten genannt: Bürokratie (59 Prozent), Fachkräftemangel (50 Prozent) und schwache Nachfrage (47,4 Prozent). Umweltregulierung, Digitalisierung, Kriege, Zölle und Lieferkettenregulierung werden von jedem viertem bzw. fünften Unternehmen angeführt.
Die Erwartungen für das eigene Unternehmen im kommenden ersten Halbjahr 2026 stellen sich insgesamt geringfügig positiver dar, sind aber weiter von Zurückhaltung, Unsicherheiten und Risiken geprägt. Die Erwartungen für die Thüringer Wirtschaft insgesamt fallen deutlich negativer aus.
Die ausführliche Pressemitteilung des VWT inklusive Einschätzungen und Forderungen zur wirtschaftlichen Lage durch den VWT-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Kreft finden Sie hier.
Den Beitrag im MDR Thüringen Journal (6. Februar 2026) finden Sie hier.